Die Geschichte des Internets - Teil 1
[ Ursprünge, Idee und Entwicklung ]
Ein paar Worte zu Beginn
Oft werden im Zusammenhang mit dem Internet Begriffe
wie 'Cyberspace' oder 'Datenautobahn'
verwendet. Prinzipiell ist das Internet jedoch ein
zusammenhängendes Netz aus Computern, die gegenseitig
Daten austauschen. 'Cyberspace' und 'Datenautobahn'
sind nur Umschreibungen und können keine wirkliche
Auskunft darüber geben, was das Internet technisch
darstellt.
Die Ursprünge
Die Ursprünge des Internet gehen zurück bis in die
60er Jahre - die Zeit des Kalten Krieges, die Zeit des
Ost-West-Konfliktes und der Atomkriegsszenarien. Das
amerikanische Verteidigungsministerium
(DoD, Department of Defense) hatte nach dem Start des
ersten russischen Weltraumsatelliten
"Sputnik" in Jahre 1957 eine Organisation
mit dem Namen 'Advanced Research Projects Agency'
(kurz: ARPA) ins Leben gerufen.
Ziel von ARPA war die Förderung ausgewählter
Forschungsprojekte mit finanziellen Mitteln, um den
(vermeintlichen) Rückstand der USA im Rüstungs- und
Technologiewettlauf mit der damaligen Sowjetunion
aufzuholen. ARPA bekam vom Verteidigungsministerium
den Auftrag, die militärische Nutzung von
Computernetzen zu prüfen und diese gegebenenfalls zu
fördern. Dieser Auftrag initiierte, ohne dass es
damals irgend jemand ahnte, die Geburt des heutigen
Internet.
Das DoD war stark daran interessiert, über ein
Kommunikationsmedium zu verfügen, das auch unter ungünstigen
Bedingungen die Übertragung von Daten zuverlässig
gewährleistet. Selbst beim Ausfall von Teilen des
Netzes sollte das System funktionsfähig bleiben:
Rechnerausfälle, als Folge militärischer Ereignisse
(wie gegnerische Atomangriffe) oder einfacher
Hardwareprobleme, sollten das Netz nicht lahmlegen können.
Neben der militärischen Anwendung eröffnete die Vernetzung
von Computern im wissenschaftlichen und immer mehr
auch im kommerziellen Bereich völlig neue Anwendungsmöglichkeiten.
Die Ideen hinter dem Netz
Um bestimmte wissenschaftliche Probleme mit Hilfe von
Computern zu lösen, sind oft Rechner mit sehr grosser
Rechenleistung sowie spezielle Software erforderlich.
Diese Ausstattungen sind teuer und können nicht für
jede Einrichtung einzeln beschafft werden. Oft hat ein
ganzes Land lediglich einen dieser begehrten Computer.
Über ein Rechnernetz ist es nun möglich, jedem
Wissenschaftler von seinem Arbeitsplatz aus jederzeit
Zugang zu solchen Grossrechnern zu ermöglichen. Dies
ist nur eines von vielen möglichen
Anwendungsbeispielen.
Allgmein ermöglicht die Vernetzung von Computern die Nutzung
aller im Netz vorhandenen Ressourcen (sogenanntes 'resource
sharing'). Unterschiedliche Hardware, Programme, Daten
und Peripheriegeräte können von allen
Netzteilnehmern gemeinsam, unabhängig vom jeweiligen
Standort, genutzt werden. Dementsprechend war das
erste Entwicklungsziel der ARPA, einige wenige an
verschiedenen Punkten verteilte Hostrechner mit
unterschiedlichen Systemen/Konfigurationen miteinander
zu verbinden.
Physikalisch wurde das Netz über angemietete Leitungen mit einer
Übertragungsrate von 50 Kbit/s (Kilobit in der
Sekunde) realisert. Um den diversen Computersystemen
Rechnung zu tragen, wurden eigene kleine Rechner, sog.
IMP's ('Interface Message Processor'), den jeweiligen
Computern vorgeschaltet. Diese gleichartigen IMP's
bildeten - miteinander vernetzt - das eigentliche
Netzwerk. Die Hostrechner kommunizierten miteinander
über den ihnen zugeordneten IMP. Die IMP's ihrerseits
waren dabei nur für den Transport der Nachrichten
zwischen den Hosts verantwortlich.
Die Entwicklung
Die ersten Herausforderung waren ein Subnetz aus
Telefonleitungen und Vermittlungsknoten aufzubauen,
dessen Zuverlässigkeit, Kapazität und Kosten das
Resource Sharing erlaubte. Des weiteren war es
wichtig, die erforderlichen Protokolle zu verstehen,
zu gestalten und sie für die unterschiedlichen
Rechnertypen zu implementieren, um die neuen Subnetze
zur Kommunikation nutzbar zu machen. Aufgrund der
Aufgabenstellung wurde die Paketvermittlung - eine
ganz spezielle Betriebsweise des Netzes - entwickelt:
Für die Übertragung eines Datensatzes zwischen zwei
Rechnern wird nicht wie beim Telefonnetz eine
dezidierte Verbindung geschaltet. Die zu übermittelnden
Daten werden vielmehr in Pakete gepackt und dem Netz
übergeben. Jeder am Netz angeschlossene Rechner
beteiligt sich an der Übertragung, indem er
ankommende Pakete je nach Netzauslastung auf
unterschiedlichen Wegen weiterleitet. Es ist im Voraus
nicht abzusehen, welchen Weg ein Datenpaket nimmt und
wie lange es braucht.
Aus dieser Idee heraus entstanden die Übertragungsprotokolle
IP
('Internet Protocol') und TCP
('Transmission Control Protocol'). Um den
Datentransfer auf verschiedenen Systemen zu gewährleisten,
wurden Grundlagen für die Netzwerkgestaltung
entwickelt und werden es noch heute: die RFC's ('Request
for Comments').
Ende 1969 war eine erste Implementierung von telnet, d.h.
Durchführen von Sitzungen auf entfernten Rechnern und
von FTP, d.h. Transfer von Dateien zwischen entfernten
Rechnern, vorhanden. Damit war das ARPANET geboren. Es
verband zunächst vier Forschungseinrichtungen in den
USA: die Universitäten von Los Angeles (UCLA), Santa
Barbara (UCSB), Utah sowie das Stanford Research
Institute (SRI).
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